Yearly Reports

Jahresbericht des Präsidenten 2016

Schweizerische Vereinigung für Politische Wissenschaft
Jahreskongress, Universität St. Gallen, 11. Januar 2017


Wissenschaftliche Tätigkeiten

Der Jahreskongress 2016 der Schweizerischen Vereinigung für Politikwissenschaft (SVPW) fand an der Universität Basel statt (21.-22. Januar 2016). Am zweitägigen Kongress nahmen rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Praktiker und Praktikerinnen aus diversen Ländern teil. Höhepunkt des Kongresses war die Plenarveranstaltung mit einem Referat der bekannten Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini zur Ukraine-Krise. Der Basler Kongress ist insgesamt sehr erfolgreich verlaufen. Im Namen des Vorstands möchte den Verantwortlichen, insbesondere Laurent Goetschel und Ursina Bentele, noch einmal ganz herzlich danken.
Hauptpublikation der SVPW ist die Schweizerische Zeitschrift für Politikwissenschaft (SZPW). Die SZPW publizierte 2015 wie gewohnt vier Ausgaben mit insgesamt 58 Beiträgen (davon 23 Artikel, neun Forschungsnotizen, elf Debattenbeiträge und 15  Buchbesprechungen). 2015 wurde auch ein Special Issue zum Thema „Swiss Democracy Disenchanted“ publiziert. Die Gastherausgeber/innen waren Daniel Bochsler, Regula Hänggli und Silja Häusermann.

Der Einjahres-Impact Factor der SZPW hat sich 2014 leicht verringert auf 0.511 (2013: 0.676; 2012: 0.425). Dafür erhöhte sich der Fünfjahres-Impact Factor (2010-2014) auf den neuen Rekordwert 0.922 (2009-2013: 0.567; 2008-2012: 0.495). Die SZPW war auch wieder beim Fritz-Thyssen-Preis für den besten deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Aufsatz sehr erfolgreich. Für das Jahr 2014 wurde der von Paul C. Bauer und Matthias Fatke verfasste Aufsatz auf den dritten Platz gewählt. In den letzten zehn Jahren hat die SZPW damit sieben Mal eine Platzierung in den drei besten Rängen erreicht (erster Platz 2012; zweite Plätze 2007, 2010 und 2013; dritte Plätze 2005, 2008 und 2014).

Bis Oktober 2016 wurde das Herausgeberteam von Prof. Adrian Vatter und Prof. Markus Freitag (beide Universität Bern) geleitet. Redaktionsassistent war Dr. Sean Müller (ebenfalls Universität Bern). Seitdem ist ein Team um Prof. Thomas Widmer (Universität Zürich) für die Zeitschrift verantwortlich. Redaktionsassistentin ist neu Daniela Eberli. Die Zeitschrift hat sich unter der Berner Leitung hervorragend entwickelt. Im Namen des Vorstands möchte ich den Verantwortlichen, insbesondere Markus Freitag, Adrian Vatter und Sean Müller, noch einmal ganz herzlich danken. Gleichzeitig möchte ich dem neuen Zürcher Team viel Erfolg wünschen.
Schliesslich publiziert die SVPW vierteljährlich einen elektronischen Newsletter, welcher an ihre Mitglieder versandt wird. Einzelne Fachinformationen werden regelmässig mithilfe eines Listservers versandt. Es bleibt weiterhin unser Ziel, eine noch bessere Form der Mitgliederkommunikation zu entwickeln.


Internationale Beziehungen und Planung

Die Dreiländertagung der drei deutschsprachigen politikwissenschaftlichen Vereinigungen fand 2016 in Heidelberg unter Leitung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft statt. Das übergeordnete Thema der Tagung war der Regionalismus in einer entgrenzten Welt. Die SVPW war an der Konferenz prominent vertreten. Die nächste Dreiländertagung wird 2019 von der SVPW organisiert und in Zürich stattfinden. Das übergeordnete Thema des Kongresses steht noch nicht fest. Der nächste Jahreskongress der SVPW findet im Februar 2018 an der Universität Genf statt.


Bildung und weitere Aktivitäten

Die Nachwuchspreise für den besten politikwissenschaftlichen Artikel und die beste Dissertation eines Nachwuchsforschers bzw. einer Nachwuchsforscherin werden alle zwei Jahre vergeben. Die nächste Preisverleihung findet am Jahreskongress 2017 in St. Gallen statt. Die Gewinnerinnen bzw. Gewinner wurden durch zwei internationale Expertengremien bereits bestimmt. Wie üblich findet an den Jahreskongressen auch ein sogenanntes Young Scholars Forum statt, in dem über die Förderung des wissenschaftliches Nachwuchses diskutiert wird und konkrete Hilfestellungen angeboten werden. Ich danke den Organisator/innen des Young Scholar Forums, Flavia Fossati und Philipp Trein, für ihren wertvollen Einsatz.

Im Sommer 2016 haben wir auch die Arbeit an der neuen Website in Angriff genommen. In der Vergangenheit ist die SVPW zweigleisig gefahren, mit einer separaten Kongress-Website und einer von der SAGW gehosteten Vereinigungswebsite. Beide Websites wiesen leider diverse Defekte auf. Wir haben die Inhalte – plus die MA-Datenbank – auf einer neuen Website zusammengeführt. Die neue Website hat noch diverse „Bugs“. Ausserdem wurden viele Inhalte noch nicht in die drei Sprachen übersetzt. Wir sind zuversichtlich, dass wir den ganzen Prozess im Sommer 2017 abschliessen können.


Administration

Die Mitgliedszahlen haben 2016 wiederum leicht abgenommen. Damit setzt sich der Trend fort, dass das Fach in der Schweiz zwar wächst, die Anzahl Mitglieder der Vereinigung aber abnimmt. Das stellt uns als Vereinigung vor grosse Probleme. Neben dem Beitrag der SAGW sind die Mitgliederbeiträge die wichtigste Einnahmequelle der Vereinigung. Auf der Ausgabenseite macht die Zeitschrift rund zwei Drittel der Ausgaben aus. Wir haben uns im vergangenen Jahr bemüht, den Förderbeitrag der SAGW für die Zeitschrift zu erhöhen und die Kosten der Zeitschrift zu reduzieren. Beides ist uns gelungen. Der SAGW-Beitrag wurde um mehrere Tausend Franken erhöht, aufgrund des freiwilligen Umstellens auf Online Access Only von rund Hundert Mitgliedern konnten wir die Kosten um mehrere Tausend Franken senken. Bei gleichzeitig rückläufigen Mitgliederzahlen und dem Ausbleiben der Jahresbeiträge einzelner Mitglieder, werden unsere Bemühungen allerdings zunehmend erschwert.

Patrick Emmenegger, St. Gallen, 10. Januar 2017

Jahresbericht des Präsidenten 2015

Wissenschaftliche Tätigkeiten
Der Jahreskongress 2015 der Schweizerischen Vereinigung für Politikwissenschaft (SVPW) fand an der Universität Lausanne statt (5.-7. Februar). Am dreitägigen Kongress nahmen 453 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 15 Ländern teil. Neben 46 thematischen Panels fanden auch mehrere Plenumsveranstaltungen zu Themen wie „Vous avez dit backlash? Genre, morale, politique et religion en Europe et aux Etat-Unis“, „La science politique francophone et la mondialisation des savoirs“ und „Interdisciplinarité/Transdisciplinarité“ statt.

Hauptpublikation der SVPW ist die Schweizerische Zeitschrift für Politikwissenschaft (SZPW). Das Herausgeberteam wird geleitet von Prof. Adrian Vatter und Prof. Markus Freitag von der Universität Bern. Redakteur ist Dr. Sean Müller. Die Zeitschrift entwickelt sich sehr erfreulich. Die SZPW publizierte 2014 und 2015 zusammen insgesamt acht Issues mit insgesamt 46 Artikeln, zehn Forschungsnotizen (research notes), drei Reviewartikeln, 14 Buchbesprechungen sowie 30 Beiträge zu drei Debatten bzw. Symposien zu Themen wie „Bourdieu et l’Etat“, Europeanisation of Swiss Policy-Making“ und „Switzerland’s Immigration Challenge“. 2014 wurde auch ein Special Issue zu den Schweizer National- und Ständeratswahlen 2011 und 2015 ein Special Issue zur Schweizer Politik „Swiss Democracy Disenchanted“ publiziert.

Der Impact Factor der SZPW erhöhte sich 2013 von 0.425 auf 0.676, rutschte dann 2014 leider wieder auf 0.511 runter. Der Fünfjahres-Impact Factor erhöhte sich von 0.495 auf 0.567 und erreichte 2014 sogar den Wert 0.922. Das ist der höchste Wert, den die Zeitschrift je erreicht hat. Im Herbst 2016 wird ein Team aus Zürich um Thomas Widmer die Herausgabe der Zeitschrift übernehmen. Ich möchte allen für ihren wertvollen Einsatz ganz herzlich danken.

Schliesslich publiziert die SVPW vierteljährlich einen elektronischen Newsletter, welcher an ihre Mitglieder versandt wird. Einzelne Fachinformationen werden regelmässig mithilfe eines Listservers versandt.

Internationale Beziehungen und Planung
Die internationalen Kongresse mit den deutsch- und französischsprachigen Partnervereinigungen, an denen sich die SVPW beteiligt, finden alle zwei Jahre statt. 2015 wurde der Kongress der französischsprachigen Partnervereinigungen durch die SVPW organisiert (6ème Congrès des associations francophones de Science Politique). Wie bereits in der Vergangenheit wurde der internationale Kongress mit dem Jahreskongress der SVPW kombiniert. Der Kongress fand im Februar 2015 an der Universität Lausanne statt.

Die SVPW unterstützt auch die Dreiländertagung (die gemeinsame Tagung der drei deutschsprachigen politikwissenschaftlichen Vereinigungen), welche 2016 in Heidelberg stattfinden wird (29.9-1.10. 2016). Das übergeordnete Thema der Tagung ist der Regionalismus in einer entgrenzten Welt.

Der nächste Jahreskongress der SVPW findet am 11. und 12. Januar 2017 (Mittwoch und Donnerstag) an der Universität St. Gallen statt.

Bildung und weitere Aktivitäten
Am Jahreskongress in Lausanne wurden die zwei Nachwuchspreise der SVPW für den besten Zeitschriftenartikel an Dr. Oliver Strijbis (ehemals Universität St. Gallen, jetzt Assistant Professor an der Universidad Carlos III de Madrid) und für die beste an einer schweizerischen Universität verteidigte Dissertation Dr. Anita Manatschal (ehemals Universität Bern, jetzt Postdoctoral Researcher an der University of California at Berkeley) vergeben. Die Nachwuchspreise werden heuer wieder neu ausgeschrieben (im Frühling). Die Vergabe findet dann am nächsten Kongress in St. Gallen statt.

Schliesslich war das Jahr 2015 auch durch eine Diskussion zum Thema Sprachen geprägt. Anfangs 2015 beschloss der Schweizerische Nationalfonds, dass ab dem 1. April Projektanträge der Politikwissenschaft auf Englisch verfasst sein müssen. Dieser Entscheid stiess in der politikwissenschaftlichen Gemeinde teilweise auf Zustimmung, teilweise aber auch auf starken Widerspruch. Wir haben deshalb den SNF gebeten, mit der Implementierung dieses Entscheids zuzuwarten, und haben im Februar eine Mitgliederkonsultation durchgeführt. Wir haben die SVPW-Mitglieder gebeten, zu folgender Frage Stellung zu nehmen: „Soll die SVPW den Schweizerischen Nationalfonds bitten, seinen Entscheid wieder aufzuheben, wonach in Zukunft politikwissenschaftliche Forschungsanträge nur noch in englischer Sprache angenommen werden?“

Es haben insgesamt 166 SVPW-Mitglieder an der Umfrage teilgenommen. Bei 540 Mitgliedern entspricht dies einer (in Anbetracht der Mitgliederstruktur beträchtlichen) Beteiligung von 30.7 Prozent. Von den 166 Mitgliedern haben 87 Personen ‚Nein’ gestimmt, 78 Mitglieder haben ‚Ja’ gestimmt und eine Person hat sich enthalten. Unter Nichtberücksichtigung der Enthaltung (neues Total 165 Stimmen) haben folglich rund 53 Prozent der SVPW-Mitglieder zum Ausdruck gebracht, dass Sie von der SVPW nicht wünschen, dass sich diese für die Veränderung des SNF-Entscheids einsetzt. Diejenigen Mitglieder, die eine Änderung des SNF-Entscheids befürworten, befanden sich mit rund 47 Prozent der Stimmen in der Minderheit.

Ich habe dieses Resultat dem SNF anfangs März mitgeteilt. Ich habe den Fonds darauf hingewiesen, dass dieser Sprachentscheid von grosser Bedeutung und innerhalb der SVPW sehr umstritten ist. Eine beträchtliche Minderheit ist mit dem SNF-Entscheid nicht einverstanden. Ich habe deshalb im Namen des Vorstands angeregt, dass der SNF in Zukunft sachbegründete Ausnahmeregeln entwickeln sollte, damit die Auswirkungen dieses Entscheids für betroffene Kolleginnen und Kollegen abgefedert werden kann. Der SNF ist diesem Vorschlag gefolgt.

Schliesslich habe ich den SNF gebeten, dass wissenschaftliche Vereinigungen in Zukunft bei solchen Themen offiziell konsultiert werden sollten, damit solche Diskussionen nicht mehr erst kurz vor der Implementierung eines Entscheids aufkommen.