Das Ende des Fortschritts?

Seit mehr als zwei Jahrhunderten prägt die Idee des Fortschritts die politische Vorstellungskraft moderner Gesellschaften. Demokratie, Rechtsstaat, wirtschaftliches Wachstum, soziale Sicherung, technologische Innovation und internationale Kooperation galten weithin als, wenn auch umstrittene, Schritte nach vorn.

Heute jedoch scheint dieses Vertrauen erschüttert. Die liberale internationale Ordnung ist im Niedergang begriffen. In vielen Ländern wird ein demokratischer Rückschritt, Polarisierung und schwindendes Vertrauen in politische Institutionen festgestellt. Klimawandel, Künstliche Intelligenz, geopolitische Fragmentierung, steigende Staatsverschuldung und wachsende Ungleichheiten überfordern die Politik. Manche Beobachter:innen gehen sogar so weit zu behaupten, wir erleben das Ende des Fortschritts selbst.

Doch ist diese Diagnose gerechtfertigt? Oder erleben wir vielmehr eine tiefgreifende Transformation des Fortschritts, seiner Triebkräfte, seiner institutionellen Grundlagen und seiner normativen Bedeutung?

Die Jahrestagung der Schweizerischen Vereinigung für Politikwissenschaft bietet Wissenschaftler:innen aus aller Welt die Gelegenheit, diese Fragen beleuchten. Gestützt auf ihren reichen methodischen Pluralismus, der experimentelle und quantitative Forschung ebenso umfasst wie historisch-vergleichende Analysen, interpretative und ethnographische Ansätze, normative Theorie, formale Modellierung und computergestützte Verfahren, ermöglicht es die Disziplin nicht nur, Niedergangsnarrative kritisch zu prüfen, sondern auch Hinweise zu geben, wie Fortschritt erhalten, gestaltet oder neu gedacht werden kann.